
Wer wir sind und was wir wollen
Die Gruppe gründete sich nach den Ereignissen im Herbst 1991, als auch in Neubrandenburg Tumulte gegen Asylsuchende stattgefunden haben. Unter dem Thema „Ausländer - unsere Brüder und Schwestern?", trafen sich in den Räumen der Katholischen Kirche, Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt, um miteinander darüber zu diskutieren, wie ein besseres Miteinander zwischen Ausländern und Einheimischen möglich wäre. Im Verlauf dieses Gespräches wurde die Idee geboren, eine Initiative zu gründen, die sich dieser Problematik annehmen würde. Aus dem großen Kreis der Teilnehmer fanden sich zunächst acht Personen, aus verschiedenen christlichen Gemeinden, die bereit waren, eine solche schwierige Arbeit zu beginnen.
Zunächst ging es darum, sich über die Situation der hier lebenden Asylbewerber sachkundig zu machen. Der überwiegende Anteil, der damals hier lebenden Asylbewerber, waren Sinti und Roma (sie selbst bezeichnen sich als Zigeuner) aus Rumänien. Der rumänische Staat betrieb zu dieser Zeit eine Art Säuberungsaktion um diese „asozialen Elemente" aus dem Land zu bekommen. Dabei spielte es keine Rolle, ob es sich dabei um wandernde, sesshafte oder sogar intellektuelle Zigeuner handelte. Im Land wurden, von der Bevölkerung und durch Polizei und Armee unterstützt, regelrechte Pogrome veranstaltet. Diese lösten eine wahre Völkerwanderung in Richtung Westen aus. Natürlich gingen die Leute dahin, wo das Brot am einfachsten zu bekommen ist und das ist unter anderem Deutschland. Während wir die neue Situation des wiedervereinigten Deutschland noch gar nicht verdaut hatten und mit der ungewohnten Situation von Arbeitslosigkeit, Sozialhilfe, Neuberechnung der Renten usw., fertig werden mussten, kamen diese Menschen in unser Land und konnten hier leben, ohne auch nur einen Finger dafür krumm machen zu müssen. Das war damals und ist für viele heute noch, sozialer Sprengstoff. Für die Initiativgruppe stand auf jeden Fall fest: Egal aus welchen Gründen und unter welchen Umständen Flüchtlinge in unser Land kommen; Niemand verlässt ohne Not seine Heimat. Diese Menschen sind in Deutschland aufgenommen worden (wenn auch zähneknirschend) und wir wollen und müssen mit ihnen leben. Ausländerfeindlichkeit ist kein Weg mit diesem Problem fertig zu werden. Die Alternative lautet: Verständnis auf beiden Seiten und füreinander zu finden.
Aus dieser Einsicht erwuchs für die Gruppe die Aufgabe, Möglichkeiten zu schaffen, einander zu begegnen und kennen zu lernen. Das geschieht auf vielfältige Weise. Ob in Diskussionen oder Festen, ob in regelmäßigen Besuchen in den Asylbewerberunterkünften oder aus aktuellem Anlass. Immer wieder wird nach neuen Formen und Möglichkeiten gesucht, Kontakte zu schaffen. Die Arbeit der kleinen Gruppe fand zunehmend Aufmerksamkeit und sogar hier und da Anerkennung. Die Zahl der Mitglieder nahm zu. Die zunächst rein ökumenische Gruppe öffnete sich für alle, die Interesse an dieser Aufgabe gefunden haben. Das gab uns Mut und Kraft weiterzumachen.
Da es aber ohne einen e.V. kaum Möglichkeiten gibt, finanziell über die Runden zu kommen, entschlossen wir uns, uns einem Verein anzuschließen, der mit unseren Interessen übereinstimmt - der Flüchtlingsrat Mecklenburg-Vorpommern e.V. Der Kontakt mit Gleichgesinnten brachte neue Einsichten und Möglichkeiten an den Tag, effektiver zu wirken. Ohne unser ursprüngliches Ziel aus den Augen zu verlieren, war es uns ein Anliegen geworden, unser Wirken auf politischer Ebene auszudehnen. Im Laufe der Zeit mussten wir feststellen, dass sich Ausländerfeindlichkeit nicht nur auf der Straße und an den Stammtischen abspielt, sondern leider auch in der Politik. Dabei geht es keinesfalls darum, ausländerpolitische Ziele einer politischen Partei zu verinnerlichen und durchzusetzen. Eine ausländerfreundliche Politik ist alles andere, als populär und Wählerstimmen bringt das schon gar nicht. Wer sich mit solchen Zielen in die Öffentlichkeit begibt läuft Gefahr, als linker Spinner oder schlimmeres diskriminiert zu werden. Fest steht aber und das ist unsere Erfahrung: Ein Asylbewerber ist weder nach dem Gesetz noch in der Wirklichkeit besser gestellt, als ein deutscher Sozialhilfeempfänger. Das Gegenteil ist oft ein folgenschwerer Irrtum, der immer dann als Argument geltend gemacht wird, wenn die Missstände und Fehlentwicklungen im eigenen Land nach einem Sündenbock schreien. Im ausländerpolitischen Bereich sind ähnliche Ungerechtigkeiten und sinnlose Belastungen an der Tagesordnung, wie sie auch im sozialpolitischen Bereich zu beobachten sind. Das schwächste Glied in der Kette wird immer der größten Zerreißprobe ausgesetzt sein. Darum wird uns auch jeder willkommen sein, dem es um den Menschen geht und nicht um politisches Taktieren.
Ganz sicher gibt es auch unter den Asylbewerbern schwarze Schafe und handfeste Kriminalität. Leider können auch wir nicht immer mit Bestimmtheit davon ausgehen, dass wir in jedem Fall Hilfsbedürftige unterstützen. Wie auch unter unseren deutschen Mitbürgern gibt es „Gut" und „Schlecht". Doch das Schlechte ist bei weitem nicht der Regelfall. Wir distanzieren uns als Gruppe in aller Form, gegen jegliche Form von Kriminalität und werden diese auch in keiner Weise unterstützen.
Diese Website möchte Sie ansprechen, unser Anliegen mitzutragen und Sie einladen, sich mit einzubringen. Asylsuchende haben keine Lobby - weder in der breiten Bevölkerung, noch in der Politik. Und doch sind es Menschen, die Schutz- und Hilfesuchend in unser Land gekommen sind - unsere Schwestern und Brüder.
Bis heute ist die Initiativgruppe für Ausländer kein Betreiber von aufwendigen Projekten. Jedes unserer Mitglieder arbeitet ehrenamtlich und ohne Aufwandsentschädigungen. Jede finanzielle Zuwendung kommt also direkt unserem Anliegen, den sozialen Frieden an diesem sensiblen Punkt zu erhalten, zugute. Wenn es auch Ihnen ein Anliegen ist, Verständnis zwischen Einheimischen und Asylsuchenden zu fördern, wenn Sie fremden Kulturen gegenüber offen sind und Ihnen Integration ein Anliegen ist, nehmen Sie bitte Kontakt mit uns auf.
Karin Reddemann
Neustrelitzer Str. 49
17033 Neubrandenburg
Tel.: 0395-3681752
Spendenkonto:
Kontoinhaber: Caritas Kreisverband MST
Kontonummer: 201 575 171
Bankleitzahl: 150 616 18
Kreditinstitut: Raiffeisenbank Mecklenburger Seenplatte e.G.
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