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Katholische Kirche Neubrandenburg  >  Filialkirchen  >  Woldegk

Aus der Chronik der Filialgemeinde WOLDEGK

Pfarrer Wilhelm Geers auf seinem Motorrad
vlnr: Frau Nikolai (Pfarrhaushälterin), Frau Damaschke, Frau Boer (Katechetinnen)
Das Pfarrhaus nach der Instandsetzung
Innenansicht der alten Kapelle 'Maria Mutter des Herrn' in Woldegk, Photo: Stüwert, Woldegk
Innenansicht der Kapelle nach der Benedizierung

 Maria Mutter des Herrn,

17348 Woldegk, Kronenstr. 20

Woldegk kam nie in den Genuß als selbständige Pfarrei zu existieren. Dafür waren wohl zu wenige Katholiken vor Ort. Leider sind dadurch auch keine eindeutigen Aufzeichnungen zur kirchlichen Geschichte dieses Ortes beizubringen. Herr Josef Krinke aus Neubrandenburg hat einmal im Pfarrarchiv gestöbert und einige Schriftstücke zu Tage befördert, die zumindest ansatzweise auf eine bewegte Geschichte dieser kleinen Schar von Katholiken schließen lassen.
Anzunehmen ist, daß mit der Gründung der Pfarrei Neubrandenburg Woldegk zum Missionsgebiet dieser Flächengemeinde mit den wenigen Katholiken dazugehörte. Der erste Beweis der Existenz einer Gottesdienststation in Woldegk geht aus einem Fragebogen zur Visitation des Dechanten Joseph Brüx in Neubrandenburg vom 2. Juli 1935 hervor. Einmal monatlich fand demnach eine Heilige Messe in der Gastwirtschaft "Mecklenburger Bierstuben" Burgtorstr. 70 statt. Aus dem Missionsbericht vom 07.04.1941 geht hervor, daß in Woldegk die Einrichtung einer neuen Seelsorgestelle notwendig geworden war und ein Haus dafür bereits angekauft wurde. Zu diesem Zeitpunkt gab es in Woldegk 50 Katholiken und 120 Polen (eine bemerkenswerte Unterscheidung). Das vermeintliche Haus war die Bäckerei der Familie Matthus. Das bedeutet aber nicht, daß dort schon regelmäßig Gottesdienste gefeiert wurden. Aus einem weiteren Visitationsprotokoll im Jahre 1944 geht hervor, daß regelmäßige Gottesdienste 14-tägig in einem Wohnraum stattfanden. Welch ein Wohnraum damit gemeint sein könnte, muß an dieser Stelle leider offen bleiben.

Wie in allen Gemeinden Mecklenburgs gab es auch in und um Woldegk nach dem Kriege eine Menge Flüchtlinge katholischen Glaubens, die nun versorgt und geistlich betreut werden mußten. Diese aufopferungsvolle Arbeit wurde in der Regel von den Neubrandenburger Kaplänen geleistet. Kaplan Franz Lorz war nach 1945 der erste, der von Pfarrer Timmerbeil in die griese Gegend um den Helpter Berg geschickt wurde. Mit seinem Fahrrad besuchte er zunächst die Gottesdienststation Alt Käbelich - dort feierte er auch am 7. Mai 1995 die letzte Heilige Messe in diesem Ort - und fuhr dann weiter nach Woldegk. Der nächste Geistliche war seit 1949 Hermann Otten. Wenn er für einige Tage nach Woldegk kam, hatte er immerhin schon eine Unterkunft in Fröhlkes Mühle. 1950 kam Heinrich Pruisken als Vikar nach Woldegk. Er wohnte nun schon fest bei Frau Meier am Burgwall. Von nun an gab es auch schon tägliche Gottesdienste an Werktagen, im späteren Pfarrhaus, allerdings in einer winzigen Stube unter dem Dach, wo sich heutzutage das Büro befindet. Zu größeren Gottesdiensten am Sonntag ging man in den Tanzsaal einer Gaststätte in der August-Bebel-Straße (späteres Kino, heute abgerissen).

Endlich war es dann soweit! Auf einem schmucklosen Zettelchen vom 29. November 1952, ist folgendes zu lesen: "Das Bischöfliche Kommissariat als zuständige kirchliche Überbehörde bescheinigt hiermit, daß die Katholische Seelsorgestelle Woldegk als selbständiger Pfarrbezirk errichtet ist. - gez. Dr. Schräder, Bischöflicher Kommissarius." Einen Monat später zog dann der Bäckermeister Matthus aus und mit dem Umbau des Hauses als Pfarrhaus und Kapelle sollte nun begonnen werden. Aber zuvor mußte den Stadtoberen Woldegks noch klar gemacht werden, daß dieses Haus der normalen Wohnraumnutzung nicht mehr zur Verfügung steht. Das schien nämlich gar nicht so einfach zu sein, wie aus einem Briefwechsel zwischen Vikar Pruisken und dem Rat der Stadt hervorgeht, denn der Rat wollte sich nicht das Vorrecht nehmen lassen, in einer weitgehend zerstörten Stadt den ohnehin knappen Wohnraum, weiterhin autonom zu vergeben. Auch sonst war man den katholischen Christen in der Gegend nicht gerade wohl gesonnen. Im April 1953 wird in einem Schreiben des VP-Wachtmeisters Jesemann vom Volkspolizeikreisamt der katholische Gottesdienst in der Gaststätte Höhne zu Alt Käbelich verboten. Seit dieser Zeit waren die katholischen Christen bis zum Mai 1995 herzlich willkommene Gäste in der evangelischen Kirche, was zu diesem Zeitpunkt bei weitem nicht selbstverständlich war. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an die evangelische Kirchengemeinde Alt Käbelich, für die langjährige Gastfreundschaft.

Der Umbau der Bäckerei als Pfarrhaus konnte dann, trotz vieler Schwierigkeiten, unter dem inzwischen zum Pfarrer ernannten Heinrich Pruisken begonnen werden. Die Backstube wurde zu einem Unterrichtsraum, der Laden zur Sakristei und die Zwei-Zimmer-Wohnung der Bäckerleute zur Kapelle umgebaut. Natürlich war das Ganze ein einziges Provisorium und viel zu klein. Der Altar bestand aus aufeinander geschichteten Ziegelsteinen, Kirchenbänke gab es nicht und die Leute feierten die Heilige Messe auf dem Flur oder vom Unterrichtsraum aus mit, weil der Kapellenraum völlig überfüllt war.

Auch seelsorglich gab es einige Veränderungen. Nun konnten endlich zwei Katechetinnen mit in das Pfarrhaus einziehen. Frau Luzia Damaschke sorgte sich um die Gemeindeglieder vor Ort und im besonderen um die Kinder. Die Wohnküche war ihr Raum für den Religionsunterricht, während der Pfarrer die Erstkommunionkinder und Firmanden in seinem Wohnzimmer unterrichtete. Bereits 196