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„Beratungsbus der Caritas in unserem pastoralen Raum“

Das Konzept "Rat auf Rädern"


Im Rahmen des Projektes der Caritas „Rat auf Rädern“ liegt der Schwerpunkt darin Beratungsgespräche zu ermöglichen : Zum einen sind die Ratsuchenden eingeladen, den Beratungsdienst der Caritas in dem Bus vor Ort aufzusuchen. Gleichzeitig kann die Kirchengemeinde vor Ort zu den Sprechzeiten ihre Türen und Räumlichkeiten öffnen und zum Beispiel zu seelsorglichen Anliegen Ansprechpartner sein. Für diesen Dienst sind, wie in allen Beratungsdiensten, engagierte und qualifizierte Mitarbeiter erforderlich. Gleichzeitig werden Ehrenamtliche gesucht, die ein offenes Ohr und Zeit zum Zuhören mitbringen. Auf die aktive und konkrete, unbürokratische Hilfe vor Ort sind vor allem die älteren Bewohner unserer Dörfer und Gemeinden angewiesen.

In Kooperation von Caritas und Pfarrgemeinde wird ein mobiles Beratungsangebot im Dezember 2018 eingerichtet. Hierzu wird ein Beratungsbus bereitgestellt mit offenen Sitzgelegenheiten hinten und einer montierbaren Rampe als Zugang für behinderte Menschen mit Rollstuhl über die Heckklappe. Einbauschränke und – Kühlschrank ermöglichen die Mitnahme von Infomaterial, Hygieneartikel und haltbaren Lebensmitteln. Ein Computerarbeitsplatz mit Internetanschluss wird mitgeführt. Zwei ausgebildete Sozialberater mit jeweils zwei halben Stellen werden das neue Angebot „Rat auf Rädern“ in den kommenden drei Jahren als Modellprojekt bis Spätsommer 2021 in den Pastoralen Raum hineintragen. Zu Beginn werden alle vierzehn Tage im Wechsel jeweils Friedland und Woldegk, oder Penzlin und Stavenhagen/Malchin aufgesucht, wobei hier auch Röckwitz mitversorgt wird. Die Arbeitszeit wird auch für das Backoffice und die Gremienarbeit benötigt. Der Kontakt zu den Standorten kirchlichen Lebens im Pastoralen Raum wird über den Pfarrer (im Ruhestand), die Gemeindereferenten, Diakone und Ehrenamtliche vor Ort gesucht. Es werden regelmäßige Sprechzeiten wiederkehrend zu denselben Zeiten am gleichen Wochentag und Ort angeboten. Sie können in vorhandenen Gemeinderäumen stattfinden oder, falls nicht vorhanden, im Beratungsbus.

Für die dörflichen Orte sollen von der Pfarrgemeinde im gesamten Pastoralen Raum  „Dorfpaten“ gewonnen werden, die die Organisation von notwendigen Hausbesuchen und Notfallhilfen begleiten. Ehrenamtliche Bürgermeister werden informiert, Bürgerinitiativen und bestehende Vereine kontaktiert. Die Hochschule Neubrandenburg wird über ein eigenes Projekt in manchen Regionen Dorfmoderatoren einsetzen, die eine Netzwerkarbeit im ländlichen Raum fördern werden. Hier wird eine enge Kooperation angestrebt, um zeitnah bedürftige Menschen zu versorgen.

Für die Menschen auf dem Land ging zuerst der Lebensmittelladen verloren, dann der Arzt, Schule und Kindergarten sind schon länger geschlossen … irgendwann fährt dann auch kein Bus mehr und der Pfarrer vor Ort fehlt für das seelsorgende Gespräch in der Not. Mit diesem Angebot wollen wir die alten Menschen erreichen, die trotzdem bleiben wollen oder müssen. Verwurzelt in ihrer Heimat, in ihrem Haus, den eigenen vier Wänden sind von Ihnen Sätze zu hören wie: „Einen alten Baum verpflanzt man nicht ...“ oder  „Wo soll ich denn hin in meinem Alter … wo ich niemanden kenne...“.
Einige von ihnen wissen oft nicht mehr weiter. Vielfältige Probleme haben sich angesammelt. Im gegenwärtigen Hilfesystem mit spezialisierten Beratungs- und Hilfeeinrichtungen finden sich viele Menschen nicht zurecht. Kommen Briefe von den Behörden, werden sie nicht mehr verstanden, einige besitzen keinen Führerschein, andere haben kein Geld für den Bus und könne so mit ihren Unterlagen nicht zum Amt fahren und nachfragen.

Im Rahmen der Mobilen Sozialberatung wird der Ratsuchende umfassend über die Sozialrechte und mögliche weitergehende Hilfsangebote  informiert. Die bei der Beantragung der staatlichen Hilfen auftretenden Fragen werden beantwortet und eine ressourcenorientierte Selbsthilfemöglichkeit erarbeitet. Damit wird eine Verstärkung der Krisensituation verhindert und eine Inanspruchnahme von weitergreifenden Hilfen verhindert. Das Erreichen der gut aufeinander abgestimmten Hilfsangebote entscheidet darüber, wie in Zukunft die persönliche Krise erlebt und bewältigt werden kann.

Mit einem systemischen Clearingverfahren werden Anliegen und Beratungsbedarfe geklärt, um neue Möglichkeiten und Problemlösungen zu entwickeln. Die Freiwilligkeit der Beratung und der Persönlichkeitsschutz, insbesondere die Schweigepflicht und der Datenschutz, werden gewährleistet. Die mobile Beratungsstelle arbeitet im Backoffice inhaltlich und organisatorisch eng mit Behörden, Ämtern und anderen sozialen Diensten zusammen und muss über zeitgemäße technische und räumliche Voraussetzungen verfügen. Zur Sicherung einer aufsuchenden Sozialarbeit werden Außentermine über die Gemeindestandorte im Landkreis durchgeführt. Bei akuter Gefährdung sind zeitnahe Hausbesuche möglich. Die Sprechzeiten werden öffentlich bekannt gemacht. Für die Hausbesuche erfolgt eine Terminvergabe direkt durch die Sozialarbeiter vor Ort. Zusätzlich zu den ca. 90minütigen Sprechzeiten an zentralen Treffpunkten wird es eine Zusammenarbeit mit Sozialstationen, Pflegestützpunkten u.a. geben. Auch die ländliche Stromsparberatung der Diakonie wird einbezogen. Von dort kommen Hinweise, wer konkrete Hilfe braucht. Auch Familienangehörige und besorgte Nachbarn können so den Kontakt zu Rat  auf Rädern finden. Der erste persönliche Kontakt kann der Türöffner für ein Erstgespräch sein,  in dem dann der vertrauensvolle Zugang zu den belastenden Problemen möglich wird. Häufig wird dazu ein Hausbesuch nötig sein. Je mehr sich die betroffenen Menschen zurückgezogen haben, umso schwieriger wird es für sie, die aufsuchende Hilfen anzufragen... daher muss die mobile Beratung besonders sensibel angeboten werden. Einige haben in ihrer verzweifelten Situation innerlich kapituliert und keine Kraft mehr, ihre Grundversorgung mit Heizung oder Strom über Sozialleistungen zu sichern. Andere haben durch ihre immer wieder unterbrochenen Erwerbsbiographien nach der Wende während der Arbeitslosigkeit nur geringe Rentenbeiträge einzahlen können und sind durch Arbeitslosengeld II, Sozialhilfe oder geringer Rentenzahlung von Armut betroffen. Bei der Statistik zur Armutsgefährdungsquote liegt Mecklenburg-Vorpommern hinter Bremen auf dem zweiten Platz. Das Armutsrisiko für bestimmte Bevölkerungsgruppen steigt stetig, für Menschen im Rentenalter ist es laut Mikrozensus stärker gestiegen als im Bevölkerungsdurchschnitt. Und ältere Menschen kommen besonders schwer aus der Armut wieder heraus, mahnen Fachleute.

Zur Überbrückung finanzieller Engpässe und zur Sicherung der existentiellen Lebensgrundlagen führt der Beratungsbus verschiedene Haushaltswaren mit. Denn die Beseitigung von aktuellen Notlagen verhindert oft eine Verschlimmerung der besonderen sozialen Schwierigkeiten und der damit verbundenen seelischen Leiden. Zur Unterstützung der Hilfesuchenden können folgende Artikel des täglichen Bedarfs ausgereicht werden:

  • Lebensmittelration?
    An Einzelpersonen wird gegen einen geringen Betrag (ggf. auch kostenlos) bei Bedarf eine Tagesverpflegung ausgegeben.

  • Hygieneartikel
    ?wenn das Geld für Mittel zur Mundhygiene und Körperreinigung fehlt und/oder Waschmittel im Haushalt dringend gebraucht werden, kann zur Überbrückung kostenlos ausgeholfen werden

  • Hilfe mit Kleidung
    Durch die kostenlose Ausgabe von gebrauchten Kleidungsstücken aus der Kleiderkammer für Bedürftige können finanzielle Engpässe abgewendet werden


„Um die angestrebten Ziele für die betroffenen Menschen im Pastoralen Raum zu erreichen ist es zwingend notwendig Ehrenamtliche als Soziallotsen zu gewinnen und auszubilden. Hierbei ist es möglich auf  Erfahrungen im Erzbistum Köln zurückzugreifen, die gemeinsam mit der Fachberatung der Gemeindecaritasund dem Fachdienst der Allgemeinen Sozialberatung ehrenamtliche Soziallotsen für die ländlichen Regionen einsetzen.“ (siehe Sozialcourage Sommer 2017)

Dazu ist es erforderlich, dass wir die Motivation zum Ehrenamt vor Ort stärken und Angebote schaffen für Menschen mit gleichen Interessen. Die Seniorenarbeit ist in allen jetzigen Gemeinden fester Bestandteil und liegt in der Hand von ehrenamtlichen Senioren. Eine Möglichkeit zu finden auch die „männlichen Senioren“ zur Teilnahme zu animieren, ist eine Aufgabe, der sich jede Gemeinde immer wieder stellen muss.

Im Gemeindezentrum in Neubrandenburg konzentrieren sich viele Angebote für den Pastoralen Raum. Das liegt zum einen an der Größe der Gemeinde sowie an dem Wohn- und Arbeitsort der Hauptamtlichen und der Konzentration der Orte kirchlichen Lebens. Hinzu kommt, dass die entsprechenden Räumlichkeiten vorhanden sind und auch im Rahmen der Ökumene zu Begegnungen und Gesprächen gegenseitig eingeladen wird. Die Öffentlichkeitsarbeit im Rahmen der Internetauftritte aller Orte kirchlichen Lebens ist gegeben und wird aktuell gehalten.

Im künftigen pastoralen Raum wollen wir alle Gemeinden zu den besonderen Höhepunkten im Gemeindeleben nach Neubrandenburg einladen. Die Entfernungen dürfen uns nicht daran hindern, uns gegenseitig kennenzulernen, Begegnungen zu ermöglichen und Gemeinschaft zu erleben. Dazu ist es notwendig, dass die Kommunikation zwischen den Haupt- und Ehrenamtlichen immer besser und die Qualifizierung für die verschiedensten Dienste organisiert wird.

 

 

 
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