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Katholische Kirche Neubrandenburg  >  Startseite  >  Vera Köhler - Glaubensgeschichte  >  Teil 1

Teil 1: Zwei der wichtigsten Entscheidungen meines Lebens

ich war etwa 13 Jahre alt, als ich merkte, dass ich etwas sehr wichtiges Verliere – etwas, was bis dahin fester Bestandteil meines Lebens war. So wie ein Körperteil: Immer da, manchmal präsent, manchmal nicht wahrgenommen und doch nie ganz vergessen. Und dieses Etwas war Gott. Und ich spürte ganz tief in meinem Innern, dass ich das auf gar keinen Fall wollte. Es gibt nur sehr wenig Dinge in meinem Leben, über die ich mir so sicher bin, wie über diese Tatsache. Ich wusste aber auch, dass ich es niemals alleine schaffen würde meinen Glauben an Gott zu bewahren. Und das dazu auch kein anderer Mensch in der Lage war. An dieser Stelle in meinem Leben traf ich eine der wichtigsten und folgenreichsten Entscheidungen meines Lebens: Ich bat Gott um Hilfe und setzte zum ersten Mal alles auf die eine Karte, die Gott heißt. Diese besondere Karte, die immer gewinnt und auf die zu Vertrauen doch so oft wahnsinnig schwerfällt.

Aber mal ehrlich, hatte ich eine Wahl? Hätten meine Eltern oder die Kirche meinen persönlichen Draht zu Gott festhalten können? Meine Eltern sicher nicht und die Kirche? Besonders mit der römisch-katholischen (im folgenden rk abgekürzt) Kirche stand ich damals auf Kriegsfuß. Mein Vater ist evangelisch, ich und meine Geschwister sind wie unsere Mutter katholisch. Und ich habe es einfach nicht verstanden (und verstehe es bis heute nicht) wie die rk Kirche dem Mann die Teilnahme am Abendmahl versagen kann, der mich das Vaterunser lehrte. (Aber dieses Fass gehört an anderer Stelle geöffnet). Und trotzdem hätte ich eine Wahl gehabt, wenn die Möglichkeit mich von Gott zu verabschieden eine Option gewesen wäre, die ich bereit war in Erwägung zu ziehen. Würdest Du dich von deinem Bein verabschieden, nur weil irgendwer daran zieht? Käme Dir überhaupt der Gedanke?
Jedenfalls stand ich so sehr auf Kriegsfuß mit der rk Kirche, dass ich den Brief mit der Einladung zur Firmung (er kam wohl etwa ein halbes Jahr später) direkt in den Papierkorb warf. Den Glauben an Jesus, Gott und den Heiligen Geist bezeugen? Sehr gerne. Aber ich hätte gelogen, wenn ich gesagt hätte: Ich glaube an die katholische Kirche. Meine Familie hat darüber nicht gerade Luftsprünge gemacht – eher im Gegenteil. Aber ich hatte das große Glück, dass sie meine Entscheidung akzeptierten.

Und ich möchte an dieser Stelle an alle Eltern, Großeltern und anderen Verwandten appellieren: Legt nicht Eure Erwartungen auf die Jugendlichen, lasst sie die Entscheidung zur Firmung zu gehen frei treffen und wenn sie in Freiheit Nein sagen sollten, ist das alle Mal besser als in Unfreiheit Ja zu sagen. Gott will freie Menschen. Wenn er uns zwingen wollte, hätten wir gar nicht die Möglichkeit, Nein zu sagen. Und manche von denen die in Freiheit Nein sagen, können später, wenn sie bereit sind, mit umso größerer Freude in derselben Freiheit Ja sagen.

Ich bin eine dieser Personen. Ich bin heute noch unglaublich dankbar, dass ich mich damals gegen die Firmung entschieden habe. Dass ich damals nicht vor Gott gelogen habe und das Sakrament der Firmung vor zwei Jahren versöhnt mit der Kirche in aller Freiheit in unserer Gemeinde hier in Neubrandenburg empfangen konnte. Als Vollendung der Taufe und als öffentliches Bekenntnis meines Glaubens! Was für ein Geschenk! Nur Möglich, weil Gott meine Bitte erhörte und meinen Glauben an ihn erhielt, und weil ich die Freiheit hatte „Nein“ zu sagen, als ich zum „Ja“ nicht bereit war. Und wohl gemerkt: Gott hat mein Gebet erhört, obwohl ich „Nein“ zur Kirche sagte!

Als ich vor einem Jahr Pilgern war, war eine der häufigsten Fragen: „Warum glaubst du eigentlich?“ Wäre mir diese Frage als Jugendliche und auch noch zum Zeitpunkt meiner Firmung gestellt worden, hätte meine Antwort auf diese Frage gelautet: „Ich glaube, weil ich glauben will!“

 

 

 
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