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Katholische Kirche Neubrandenburg  >  Startseite  >  Vera Köhler - Glaubensgeschichte  >  Teil 2

Teil 2: Auf ins Unbekannte

Machen wir heute zu Beginn eine kleines Gedankenexperiment: Stell dir vor Du spürst ganz tief in deinem Innern einen Wunsch. Den Wunsch zum Beispiel den Rest deines Lebens auf dem Mond zu verbringen. Versuche dir jetzt Vorzustellen, was das alles für Konsequenzen mit sich bringen wird.
Wie viele aller Konsequenzen glaubst Du fallen dir ein?

Und jetzt versuche dir Vorzustellen wie das geht: Leben auf dem Mond für den Rest deines Lebens. Sagen wir mal für mindestens 30 Jahre.

Glaubst Du deine Vorstellung kommt an die Realität heran?

Ich habe das letzte Mal einen Punkt in meiner Geschichte übersprungen. Kurz bevor ich nach Neubrandenburg kam, verspürte ich ganz tief in meinem Innern einen Wunsch. Ich wusste: Ich wollte das tun, unbedingt. Aber ich hatte absolut keine Ahnung, worauf ich mich einlassen würde und auch nicht wie es funktionieren könnte. Und das sage ich jetzt nicht aus meiner heutigen Erfahrung heraus: Ich konnte mir damals absolut nicht vorstellen, was mein Wunsch bedeutete. Ähnlich wie es Dir vielleicht bei dem oben genannten Experiment erging. Ich wusste nur eines: Es ist das, was ich wirklich will. Ganz tief in meinem Innern. Also habe ich das getan, was – wenn es um andere Dinge geht – wahrscheinlich das dümmste wäre, was man tun könnte:

  1. ich habe nicht nachgedacht
  2. ich habe keine Informationen eingeholt
  3. ich habe sofort Nägel mit Köpfen gemacht

Aber ich habe dabei noch etwas getan: Ich habe auf mein Herz gehört. Und das ist der entscheidende Punkt. Der einzige auf den es nach meiner bisherigen Erfahrung ankommt. Denn es ging um nichts Geringeres als um die Nachfolge Christi. Um damit anzufangen braucht es nicht mehr. Denn der erste Punkt bringt in dem Moment nicht viel. Freundschaftliche Beziehungen gründen in erster Linie auf Emotionen: auf Liebe, auf Vertrauen, auf Erfahrungen, nicht auf Rationalen Entscheidungen. Und der zweite Punkt? Ich glaube keiner weiß wohin die Reise geht, wenn er Jesus nachfolgt – es sei denn, Gott selber hat es ihm gesagt. Denn Jesus führt uns alle unseren ganz persönlichen Weg. Bleibt noch der dritte Punkt. Aber wenn das Herz bereit ist, einen Nachdenken nicht weiterbringt und es keine Informationen gibt, die man einholen kann, bringt es nichts, die Entscheidung aufzuschieben.

Und jetzt stand ich da: Mit dem Versprechen an Jesus, ihm zu folgen. Aber wie geht das? Ich meine Petrus, Andreas, Johannes, Jakobus und all die anderen Jünger in den Evangelien, die haben Jesus gesehen. Die konnten ihm hinterherlaufen. Wochenlang habe ich Gott gefragt, wie Nachfolge geht, wohin ich gehen soll. Und dann als die Antwort kam? Wie würdest Du reagieren, wenn Gott Dir nach Wochen der Frage, was Du tun sollst, endlich die Antwort gibt?

Meine erste Reaktion war Wut. Ich habe noch nie in meinem Leben jemanden so angeschrien wie damals Gott. Ich meine: ich wollte Wegweisung und alles, was Gott mir an die Hand gibt, sind die vier Worte: „Steh auf und Geh!“ Ich bin nicht Stolz auf das, was ich getan habe, eher im Gegenteil. Aber ich bin unglaublich dankbar für diese Erfahrung. Denn Gott hat das getan, was die wenigsten Menschen können, falls es überhaupt jemand kann: Er hat zugehört. Die ganze Zeit über. Ohne sich auch nur einen Millimeter von mir zu entfernen. Er war einfach da.

Und wenn ich heute wütend bin auf Gott? Dann schrei ich meine Wut wieder gen Himmel, bis sie verraucht ist. Denn ich weiß: Er hält das aus und unsere Beziehung auch. Und danach kann ich ihm auch wieder zuhören.

Was tust Du, wenn Du wütend bist auf Jesus, auf Gott?

 

 

 
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