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Teil 4: Erneuter Aufbruch ins unbekannte / Das Alte Testament

Was hältst Du vom Alten Testament? Ich muss gestehen, dass ich gerade mit dem Alten Testament große Schwierigkeiten habe. So oft wie dort vom Rachsüchtigen Gott gesprochen wird. Das wiederspricht einfach dem, wie Gott sich mir zeigt und wie Jesus ihn zeichnet. Aber ich stelle auch immer wieder fest, dass es auch im Alten Testament Geschichten gibt, die helfen und Kraft geben.
Eine dieser Geschichten ist die von Abrahams Knecht, der eine Braut für Abrahams Sohn Isaak suchen soll. Und der Knecht sitzt am Brunnen und spricht zu Gott: „Pass auf! Wenn ich zu einem Mädchen sage: Gib mir zu trinken. Und dieses Mädchen Antwortet: Trink und auch deinen Kamelen will ich Wasser schöpfen. So soll dies das Zeichen sein, dass dieses Mädchen die rechte Braut für Isaak ist.“

Hast Du Gott schon mal einen Vorschlag gemacht, wie er handeln soll? Wie fühltest Du dich dabei? Wie mag sich Abrahams Knecht gefühlt haben?

Ich jedenfalls fühlte mich äußerst unwohl als ich es auf meiner Pilgertour zum Grab des Apostels Jakobus tat. Denn wer bin ich schon, dass ich Gott, dem Schöpfer des Himmels und der Erde, einen Vorschlag unterbreiten darf.

Aber ich dachte an die Geschichte von Abrahams Knecht und fühlte: Ich brauche einfach Gottes Antwort. Ich muss wissen, ob er dieselbe Antwort auf die eine große Frage gibt wie ich. Und so machte ich Gott folgenden Vorschlag: „Wenn mir auf diesem Pilgerweg bis Santiago zufällig mindestens drei Ordensschwestern über den Weg laufen – also nicht in einem Kloster oder einem Gottesdienst direkt an einem Kloster oder so – dann soll das das Zeichen sein, dass Du für mich den Weg als Ordensfrau vorgesehen hast. Sind es weniger, ist es ein anderer Weg.“ Und Gott erhörte das Gebet. Die erste Schwester sah ich in der Osternacht, die zweite als ein Freund, der mitgepilgert ist, in einer Stadt beschloss nicht mehr den Wegweisern zu folgen, sondern anhand unserer Karte einen anderen Weg einzuschlagen und die dritte als ich in einer kleinen Kapelle am Stadtrand von Pamplona etwas länger verweilte.

Jetzt stand ich da, ähnlich wie zu dem Zeitpunkt, als ich Jesus meine Nachfolge versprochen hatte. Ich war unglaublich erleichtert, dass ich endlich wusste, was ich will und endlos dankbar, dass Gott dasselbe wollte, aber ich hatte absolut keine Ahnung was das bedeutete. Mein Wissen über das Leben von Ordensschwestern und über Orden im Allgemeinen hätte gefühlt auf einer Briefmarke Platz gehabt.
Also fasste ich den Entschluss, mir erst einmal ein paar Ordensgemeinschaften anzugucken. Einige Gemeinschaften bieten ja die Möglichkeit an für eine kurze Zeit mehr oder weniger eng mitzuleben. Es ist oft nur ein kratzen an der Oberfläche, aber es ist ein Anfang. Und irgendwie muss man ja Anfangen.

Pläne sind gut. Sehr gut. Mir jedenfalls fällt es viel leichter loszugehen, wenn ich ein konkretes Ziel vor Augen, einen Plan habe. Und nur wenn wir Pläne haben, können sie geändert werden. Oder sogar über den Haufen geschmissen werden. Das gefällt mir meist gar nicht, aber ich hab manchmal das Gefühl, Gott macht es Spaß.

 

 

 
© 2016 cg