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Teil 5: Die Rutschpartie / Das Neue Testament

Kannst Du dich noch daran erinnern, wie es ist zu rutschen? Stell dir vor Du sitzt auf einer Rutsche, die einfach kein Ende zu nehmen scheint. Du bist fest verankert mit dem Boden. Egal was Du auch tust, Du kannst nicht fallen. Aber Du rutschst, rutschst durch dein Leben. Manchmal kannst Du ein bisschen bremsen oder ein bisschen gasgeben. Nur auf die Richtung hast Du keinerlei Einfluss.

Hast Du sowas schon mal erlebt? Manche sagen ja, sie schlittern durchs Leben. Aber das ist eine sehr wacklige Angelegenheit. Nicht so wie bei einer Rutsche. Was ich meine, hat auch nichts von einem freien Fall, denn die Rutsche trägt dich. Sie gibt Geborgenheit. Zumindest die, auf der ich da saß.

Dieses Bild der Rutsche war jedenfalls das Bild für mein Leben, was in meinem Kopf aufploppte als ich letzten Sommer kurz nach der Pilgerreise für zwei Wochen bei den Franziskanerinnen von Siessen zu Gast war. Ich spürte, dass Gott mein Leben in die Hand genommen hatte und ich hatte absolut keine Ahnung wo es hingehen würde. Aber gleichzeitig hatte ich so festen Boden unter mir, wie noch nie in meinem Leben. Das, zusammen mit den noch frischen Erfahrungen vom Pilgern, half mir vertrauens- und erwartungsvoll zu rutschen. Irgendwann sah ich das Ende der Rutschpartie auf mich zukommen und spürte den Zeitpunkt einer Entscheidung näher kommen.

Nach vielleicht drei Wochen war es soweit. Die Rutsche hörte auf und ich konnte, durfte, musste und wollte die Zügel wieder in die Hand nehmen. Aber damit war der Zeitpunkt der Entscheidung gekommen.

Du kennst doch sicher Tauziehen, oder? Jetzt stell dir vor, dein Herz bildet die eine Mannschaft und dein Kopf, dein Verstand bildet die andere Mannschaft. Und sowohl Herz als auch Verstand übertönen sich mit ihren Schlachtrufen. Das Herz ruft: „Ja! Hier, in diese Gemeinschaft will ich hin!“ und der Kopf schreit: „Das geht viel zu schnell! Du wolltest dir noch mindestens drei andere Orte ansehen, bevor du dich entscheidest.“

So sah es nach der Rutschpartie in meinem Inneren ungefähr aus. Dann habe ich die Bibel aufgeschlagen, irgendwo in den Evangelien und habe da die Geschichte von der Hochzeit zu Kanaan gelesen . Was mir dieses Mal sofort ins Auge sprang waren folgende drei Tatsachen:

  1. Jesus sagt seiner Mutter, er sei noch nicht soweit.
  2. Maria ignoriert das gepflegt.
  3. Jesus verwandelt Wasser in Wein, obwohl er noch nicht bereit dafür ist.

Was hältst Du davon? Ein ziemlich deutlicher Wink mit dem Zaunpfahl? Alles was meinem Verstand dazu einfiel war ein „OHA!“ Weiter wollte er nicht denken. Am nächsten Tag habe ich wieder die Bibel aufgeschlagen, wieder in einem Evangelium. Diesmal habe ich das erwischt, in dem Jesus zu seinen Jüngern sagt: „Das Korn ist reif. Der Zeitpunkt der Ernte ist da!“

Zugegebener Maßen: Ich habe mich nicht getraut, die Bibel ein drittes Mal zu öffnen. Ich hatte die Botschaft kapiert und ich hatte das Gefühl, es sei äußerst unklug Gott auf die Probe zu stellen. Und da mein Verstand keinen weiteren Einwand hatte, außer dem, das es zu schnell ging, hat er kapituliert.
Seither geht es gefühlt etwas langsamer, wenn auch nicht weniger intensiv: Nach der Zulassung als Interessentin wurde ich im Februar als Kandidatin in die Gemeinschaft aufgenommen. Das bedeutet, ich fahre einmal im Monat für ein Wochenende ins Mutterhaus zu einem Treffen mit den anderen Kandidatinnen und Interessentinnen. Und wie es weitergeht? Wir werden sehen.

Zum Schluss noch eine Frage, auf die ich Dir heute zum dritten Mal eine Antwort geben werde. Heute lautet meine Antwort: „Ich glaube, weil ich ihn liebe“. Jetzt möchte ich diese Frage  an Dich weitergeben: „Warum glaubst Du?“

 

 

 
© 2016 cg