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Katholische Kirche Neubrandenburg  >  Startseite  >  Winfried Schiemann zum Goldenen Weihejubiläum am 1.7.2017 in Wittenburg

Würdigung des Jubilars Winfried Schiemann zum Goldenen Weihejubiläum am 1.7.2017 in Wittenburg: Wortlaut der Festpredigt um 10.30 Uhr

Vor genau 1300 Jahren ereignete sich schon einmal ein „Brexit“: Der Abt Winfried verließ England für immer und unternahm eine Pilgerreise nach Rom. Papst Gregor II. beauftragte Winfried am 15. Mai 719, den „ungläubigen Völkern das Geheimnis des Glaubens bekanntzumachen“. Der Papst verlieh dem Missionar den Beinamen Bonifatius. Gemeinsam mit Willibrord nahm er sich zunächst erneut die Friesen vor; allerdings gab es zwischen beiden so erhebliche Spannungen, dass sie sich 721 trennen mussten.

Unser Jubilar trägt den Namen dieses wortgewaltigen Organisationstalents Winfried Bonifatius. Vor 50 Jahren empfing er als gebürtiger Danziger gemeinsam mit Christian Krüger und Herbert Löbel in Wismar die Priesterweihe. Wir danken ihm heute hier in Wittenburg, seiner Ruhestandspfarrei, für das Vorbild priesterlicher Treue – gemeinsam mit den Gläubigen der Orte seines Wirkens: Schwerin, wo er als Vikar und später als Leiter des Seelsorgeamts und als Theologenreferent, schließlich auch von 1997 bis zum Ruhestand 2009 als Propst tätig war; Boizenburg, wo er Kaplan und Pfarradministrator war; Neubrandenburg, wo er in Norbert Werbs´ Nachfolge 16 Jahre lang Pfarrer war und zum Monsignore und Ehrendomherr des 1995 gegründeten Metropolitankapitels ernannt wurde. In Neubrandenburg, wo ich einer seiner Nachfolger sein darf und Weihbischof Werbs mittlerweile seinen Ruhestand verbringt, kam Erna Kramer zu ihm in den Haushalt; ihr danken wir mit unserem Jubilar gemeinsam für nunmehr 25 Jahre treuen Dienst an seiner Seite!

Drei für Winfried Schiemann typische Aussprüche bringen sein priesterliches Wirken vorbildhaft zum Ausdruck:

1.)    „Du, komm mal schnell ins Pfarrhaus!“ Die Stärke der „Vocatio“. Unser Jubilar konnte stets Menschen von der Straße weg, aus dem offenen Fenster des Pfarrhauses heraus berufen und in den Dienst nehmen. Ein echter Seelsorger eben. Manche trauten sich in Neubrandenburg nicht mehr, überhaupt am Pfarrhaus vorbeizulaufen, weil sie ahnten, dass der Pfarrer garantiert eine Aufgabe für sie habe… Für jeden einen passenden Ort im Leben der Kirchengemeinde zu finden – auch in den zahlreichen Familienkreisen - , ist ein großes Talent. In der Wendezeit berief Winfried Schiemann vom Runden Tisch aus Menschen in neue Aufgaben; so ist es auch ihm zu verdanken, dass etliche Neubrandenburger ihren Platz in der Landesregierung in Schwerin fanden. Auch so manche Priester sind aus seinen Pfarreien hervorgegangen. Der Priester als Rufer, damit Christus beruft. „Vocatio“  - „Komm, folge mir nach!“ In einer Zeit, in der bei uns Priestermangel  herrscht, ist diese so persönlich-vertraute Form direkter Ansprache ein hohes Gut – gegen alle Tendenzen allgemein gehaltener Floskeln und digitalen Oberflächlichkeiten im Umgang miteinander, gegen eine moderne Kirchensprache, die eher den Eindruck eines Wirtschaftsbetriebs macht.

2.)    „Die Frage ist nicht, ob, sondern wie hoch ich gewonnen habe.“ Die Stärken der „Celebratio et organisatio“. Unser Jubilar konnte und kann wie kein anderer feiern und spielen. Unvergessen auch seine Begrüßung: „Obwohl Ihr hier seid, ist es schön!“ Manche tauften diesen Stil der Gemeindeleitung zutreffend „Feierpastoral“. Jeder hier kann eine eigene Erinnerung an nicht enden wollende Feste, Wochenenden in Rerik, Singestunden, Spieleabende beisteuern. Sogar die neuen „Spiele des Jahres“ kannte er zuerst und gab keine Ruhe, bis alle mitspielten. Celebratio (festum celebrare) – das lateinische Wort für das Feiern bringt hervorragend zum Ausdruck, dass Zelebration sowohl die liturgische als auch die gesellige Feier meint. Als Priester dürfen wir bis an unser Ende zelebrieren! Welch eine Freude, was für ein Lebenssinn – auch wenn Krankheit und Leid, Alter und Gebrechen den Alltag erschweren. Unser Jubilar zelebriert im wahren Sinne des Wortes seit 50 Jahren seine Berufung. Die zweite Seite dieser Festmedaille lautet „organisatio“: Sprichwörtlich ist sein Organisationstalent! Wer zelebriert, sorgt auch für das Gelingen. Und dieses Talent hat Gott Winfried Schiemann reichlich geschenkt. 1980 kamen beispielsweise über 10.000 Wallfahrer aus Mecklenburg mit drei Sonderzügen, 50 Bussen und rund 1.200 Pkw nach Dreilützow – dank der Organisationsstärke unseres Jubilars wurde auch an kleine Steine gedacht, die verhindern sollten, dass die Seiten des Messbuchs im Wind umblätterten. „Celebratio et organisatio“ – „Wir feiern heut´ ein Fest!“ In einer Zeit, in der bei uns Priester zu Managern, Experten von Fundraising und Fusionen werden, neuen Wert auf Zelebration zu legen, ist eine wohltuende, attraktive Botschaft, die auch unsere Gemeinden neu belebt.

3.)    „Hallo, hier ist Winfried, bitte Rückruf!“ Wer diese kurze Nachricht auf dem Anrufbeantworter abgehört hat, tut gut daran, umgehend zurückzurufen. Die Stärken der „Communio et traditio“. Unser Jubilar sorgte und sorgt sich um diejenigen, mit denen er sich vertraut gemacht hat – unermüdlich und bis an die Grenzen eigener Erschöpfung. Anrufe zu Geburtstagen, Jubiläen, Schicksalsschlägen; persönliche Teilnahme an allen wichtigen Gottesdiensten und Beerdigungen; mitbrüderliche Sorge und – wenn nötig – auch Kontrolle; Gründung eines Priesterkreises in Mecklenburg, damit man sich regelmäßig trifft und umeinander weiß. Der Priester als Versammler und Bewahrer. Die zweite Seite der „Communio-Medaille“ ist die Tradition, also das Bewahren der Überlieferung. Winfried Schiemann kämpft für bewährte Mecklenburger Werte wie kein anderer! Er setzt sich wort- und tatkräftig ein, wenn wertvolle Traditionen zu zerbrechen drohen. Er zählt die Anzahl der Teilnehmer bei Konferenzen und Besinnungstagen und ruft die Fehlenden an – „wo warst Du?“ In einer Zeit, in der die strukturellen Veränderungen unserer kirchlichen Landschaft keinen Stein auf dem anderen lassen und Kirche eher mit sich selbst beschäftigt ist, tut es gut, solche Streiter für Gemeinschaft und Traditionen unter uns zu wissen. Correctio fraterna, mitbrüderliche Zurechtweisung – von wem außer von ihm lassen wir uns denn sonst noch etwas sagen? Danke, Winfried!

Unser Jubilar schaut auf 50 priesterliche Jahre zurück. Er ist ein Rufer, ein Zelebrant und Organisator, ein Versammler und Bewahrer. Winfrie